Es war am Samstag ein wahrer Befreiungsschlag für die Handballer des TSV Lindau. Vor 150 Zuschauern präsentierten sich die Gastgeber gegen die TSG Schnaitheim zurück in alter Stärke und gewannen in der heimischen Dreifachturnhalle überraschend deutlich mit 38:29 (16:12).
Nach neun Niederlagen und nur einem Sieg in der Hinrunde lief das Lindauer Team nach den auskurierten Verletzungen wieder in voller Besetzung auf. Mit den Rückkehrern Simon Stausberg, Moritz Pieper, Julian Gauger und Robert Broszio im Rückraum ließ die Heimmannschaft von Sekunde eins an keine Fragen offen. Mit einem 3:0-Lauf eröffneten die Inselstädter die Begegnung und gaben die Führung bis zur Schlusssirene nicht mehr ab. „Wir hatten ein sehr gutes Angriffsspiel mit wenig technischen Fehlern“, freute sich Spielertrainer Robert Broszio. „Sie sind definitiv an unserer Abwehr mit Jens Ellermann im Tor gescheitert. Wir haben kompakt verteidigt und auch ein bisschen aggressiver als sonst. Wir haben versucht, es ihnen so unangenehm wie möglich zu machen. Dadurch konnten sie nicht ihr schnelles Handball spielen, weil wir ganz viele Stoppfouls gemacht haben. Ich denke das war der Grundstein.“
Lindau drückt nach dem Seitenwechsel aufs Gaspedal
Für die Lindauer gab es wenig Anlass, das Spiel zu unterbrechen. Die einzige Auszeit nahm Broszio acht Sekunden vor der Pause: „Ich saß gerade auf der Bank. Es ging mir darum, dass man in diesen acht Sekunden noch ein Tor machen kann. Der Plan ging nicht auf, aber der Wille war da.“
Auch ohne Treffer wechselte das Broszio-Team mit vier Toren plus die Seiten, um danach so richtig aufs Gaspedal zu drücken. Bereits in Minute 39 lag Lindau mit 34:24 in Führung. „Es hat einen großen Unterschied gemacht, wieder wechseln zu können. Simon Stausberg hat richtig gut verteidigt und konnte sich offensiv ausruhen. Johannes Brombeis hat Tore gemacht und weniger Abwehr gespielt. Das hat allen sehr gutgetan, auch diese Seite von Handball wieder zu spüren“, resümierte Broszio und bestätigte schmunzelnd, dass danach so richtig gefeiert wurde. „Das muss man auch. Wir hatten davor nicht viel zu feiern, deshalb muss man das ausnutzen.“
Auch die Konkurrenten punkten
Es war nicht nur für alle ein mental wichtiger Sieg, sondern auch rein tabellarisch notwendig. Durch den ebenfalls überraschenden Sieg des oberen Tabellennachbarn HC Lustenau gegen den zweitplatzierten TV Treffelhausen und dem Remis von Schlusslicht TV Weingarten gegen die SG Lauterstein II bleiben die Inselstädter vorerst auf dem vorletzten Platz in der Landesliga. Wie verheißungsvoll dieser Auftakt zur Rückrunde mit noch zehn weiteren Begegnungen war, unterstreicht die 18:31-Niederlage gegen die TSG Schnaitheim im Hinspiel. „Es hat gezeigt, dass wir so eine Mannschaft deutlich schlagen können. Wir haben fast 40 Tore gemacht. Normalerweise waren es bisher immer 22,23 oder 24 und damit gewinnt man kein Spiel“, sagte Broszio und hofft, dass keine Verletzungen mehr folgen.
Es war am Samstag für den TSV Lindau ein perfekter Heimspieltag. Die Reserve der Inselstädter behauptete sich in der Bezirksklasse knapp gegen die HSG Langenargen-Tettnang II (37:36) – es war der erste Saisonsieg für das im Sommer neu gegründete Team. Und auch die Frauen punkteten in der Bezirksklasse gegen den SV Bad Buchau II (28:26). „Da waren wir auch ein bisschen in der Pflicht“, meinte Broszio augenzwinkernd.
Mit diesem Rückenwind will sich Lindau nun voll auf sich konzentrieren. „Da wollen wir uns selber gar nicht den Druck machen. Letztendlich geht es nur um uns“, so Broszio und das wieder mit voller Kapelle im Training. „Es geht jetzt darum, das positive Gefühl mitzunehmen und dann schauen wir, was am Samstag in Biberach geht.“ Die Begegnung in der Mali-Sporthalle startet um 18.30 Uhr. Die gastgebende TG Biberach steht auf Rang vier und darf sich noch Chancen auf den Aufstieg ausrechnen.
TSV Lindau: Ellermann, Krüger (beide Tor); Haller (5 Tore, 1 Siebenmeter/1 Tor), Bräu (1 Tor), M. Miller (2), Stausberg (5), Gauger (3), Richter, Grauer (1), Broszio (4), Pieper (6), Steder, L. Miller (4), Brombeis (7)



