Nach dem Sieg gegen die TSG Schnaitheim (38:29) erhofften sich die Landesliga-Handballer des TSV Lindau auch im zweiten Heimspiel des Jahres einen Punktgewinn. Die Inselstädter traten hoch motiviert an, vor 150 Zuschauern in der Dreifachturnhalle war gegen die konstante Leistung des SC Vöhringen allerdings nichts auszurichten. Lindau unterlag am Samstag mit 28:35 (16:17). Für den Tabellenvorletzten wird es damit immer schwieriger, die Liga zu halten.
Überraschende Auszeichnung am Vortag
Die frisch gebackenen „Sportler des Jahres“ durften sich am Abend zuvor über die Auszeichnung freuen und die Laudatorin, Oberbürgermeisterin Claudia Alfons, folgte gerne der Einladung zum Heimspiel. Die Ehrung war für die Lindauer eine Überraschung, denn damit rechneten nur wenige Eingeweihte, als die Einladung ins Alte Rathaus kam.
In diesem Jahr machte die Stadt Lindau eine Ausnahme: „Der Titel ‚Sportler oder Sportlerin des Jahres‛ lässt zunächst an eine Einzelperson denken. In der Regel ehren wir Athletinnen und Athleten, die sich auf Europa- oder Weltmeisterschaften mit den Besten messen oder bei deutschen und süddeutschen Meisterschaften Spitzenplätze erringen. Doch was tun, wenn eine ganze Mannschaft Außergewöhnliches leistet – ohne eine der vorhergegangenen Kriterien zu erfüllen? Eine Mannschaft, deren Geschichte Einsatz, Leidenschaft, Rückschläge und vom Mut, wieder aufzustehen erzählt“, sagte Alfons im alten Rathaus und betonte die außergewöhnliche Leistung des TSV Lindau in den vergangenen Jahren: „In nur fünf Jahren hat sie sich vom Außenseiter in der Bezirksklasse bis in die Landesliga gekämpft. Ohne Kampfgeist, Zusammenhalt und wahre Leidenschaft für ihren Sport, wäre das nicht möglich gewesen. Und was, wenn diese Mannschaft drei Aufstiege in Folge für sich verbuchen kann, ohne auch nur einmal der Favorit gewesen zu sein?“
Kampfgeist gab es vor allem in Hälfte eins bei den Lindauern zu sehen. Vöhringen legte souverän los, während die TSV-Handballer noch Probleme hatten, ins Spiel zu kommen. Mit fünf Toren plus beherrschte Vöhringen die Partie, aber Lindau kämpfte sich zurück und erzielte in der 26. Minute durch Lukas Miller den 14:14-Ausgleich. Der knappe Pausenstand (16:17) schürte bei den Gastgebern die Hoffnung auf einen Turnaround in Durchgang zwei. Aber: „Wir haben es im Angriff in Hälfte eins extrem gut gemacht, weil viel Bewegung drin war. Mit Beginn der zweiten Halbzeit haben wir ein bisschen den Faden verloren“, bedauerte Simon Stausberg die am Ende klare Heimniederlage.
Lindau muss auf mehrere wichtige Spieler verzichten
Stausbergs Fuß bereitet immer noch Probleme. Die Nachuntersuchung ergab, dass er besser pausiert, weshalb er das Team vom Seitenrand coachte. „In der zweiten Halbzeit hat Vöhringen früher die Stoppfouls erreicht. Wir haben Fehler gemacht und sogar in Überzahl zwei Tore kassiert und keines geworfen. Wir haben das Spiel leider Stück für Stück aus der Hand gegeben“, meinte Stausberg. Neben ihm fehlte auch Robert Broszio im Rückraum, der am Mittwoch wegen einer Blinddarmentzündung operiert werden musste. So lag viel Last auf den Schultern von Moritz Pieper, der mit 13 Treffern die Verantwortung übernahm und bester Torschütze der Begegnung wurde. Der Sieg war für Vöhringens Trainerduo Kevin Betz und Christoph Klingler nicht selbstverständlich: „Ohne Harz war es für uns das Ausnahmespiel der Saison. Dass zwei wichtige Spieler bei den Lindauern gefehlt haben, hat uns in die Karten gespielt.“
Kreisläufer Simon Wiedrich ließ nach der Niederlage den Kopf nicht hängen und freute sich mit der Mannschaft über die Ehrung der Stadt Lindau: „Das ist Stolz, den man mit der Auszeichnung verbindet, und natürlich wollten wir eine Antwort auf dem Feld geben. Das ist uns leider nicht ganz gelungen, aber wir haben einen Kampf geliefert.“
Sonderapplaus für den verstorbenen Helmut Eibler
Vor Anpfiff bedachten die Lindauer mit Wiedrich als Initiator den verstorbenen Helmut Eibler mit Sonderapplaus. Er war 77 Jahre Mitglied beim TSV Lindau, engagierte sich davon 30 Jahre in 900 Spielen als Aktiver und 20 Jahre als Jugendtrainer. Er verstarb im Alter von 89 Jahren und verpasste bis kurz vor seinem Tod kein Spiel der Lindauer.
„Kampfgeist und Zusammenhalt“ zeichnete die Inselstädter auch nach der Niederlage gegen den SC Vöhringen aus. Von Aufgeben oder Resignieren war keine Rede. „Jetzt müssen wir es eben auswärts angehen“, meinte TSV-Kapitän Alexander Haller und bezog sich auf das Kellerduell in zwei Wochen beim Tabellenschlusslicht TV Weingarten. Anpfiff in der Großsporthalle ist am Samstag, 14. März, um 20 Uhr. Vielleicht ist dann auch wieder Torwart Jens Ellermann dabei, der aufgrund seiner Knöchelverletzung ausfiel.
Trotz drei Niederlagen in Folge bleibt das Ziel der Lindauer der Klassenverbleib in der Landesliga. „Jedes Spiel fängt von null an. Am Ende haben wir jetzt noch Heimspiele und wenn wir da vier bis sechs Punkte rausholen, ist noch was möglich“, gab sich Wiedrich optimistisch.
TSV Lindau: Steppan (Tor); Pieper (13 Tore, 6 Siebenmeter/6 Tore), Bräu (2), Hadrich (1), Grote (2), Haller (1), Gauger (3), Rutschke, Wiedrich (1), Grübel, Grauer (1), Miller (3), Brombeis (1)



